reflections

Versuch zu fliegen

Ein Versuch zu fliegen sieht bei jedem Menschen anders aus.
Bei mir heißt das, dass ich versuche, glücklich zu sein, mit dem was ich habe, wie zum Beispiel meinem Freund.
Es ist nicht immer leicht mit ihm, er denkt so anders und reagiert so anders auf Situationen als ich.
Und meine Eltern spielen auch nicht immer mit. Sie machen sich zu viele Sorgen, zu viele Gedanken um ihre süße, kleine Tochter, die doch gerade erst aus den Windeln raus ist und schon alleine fliegen will.
Aber so sind ELtern eben, da kann man nichts machen, die Liebe zu ihrem Kind lässt sie übertreiben. Vielleicht sehe nur ich das so, aber das ist meine persönliche Meinung.
Das Problem bei dem Ganzen ist, dass mein Freund Kurde ist. Er hat zwar einen deutschen Pass, aber eine andere Mentalität, ist anders aufgewachsen und hat andere Verhaltensweisen gelernt als ich.

Meine Eltern haben so viele schlechte Beispiele kennengelernt, dass es schwer für sie ist, ihn zu akzeptieren, besonders meine Mutter.
Ich bin schließlich ihr einziges Kind, die einzige Tochter.
Aber wir sind jetzt schon so lange zusammen, da dreh ich schon mal öfter durch, wenn meine Mutter wieder solche Witze macht, wie " Und, hast du heute wieder Ausgehverbot gekriegt weil du mit einem Jungen telefoniert hast?"
Sie weiß doch genau, dass das nicht stimmt, aber irgendwie kann sie ihre Gefühle über die Situation nicht anders zum Ausdruck bringen...

Und dann das Thema Schule. Das Grauen. Schon wenn im Fernsehen bei uns zu Hause das das Wort Schule und gesagt wird, wird die Luft automatisch dicker, weil einem von den beiden immer etwas einfällt wie
"Du hast heute schonwieder so wenig für die Schule gemacht" oder
" Wenn du dein Abitur schaffen willst, solltest du mal mehr lernen, anstatt immer mit diesem Jungen rumzuknutschen."
Dabei mache ich nicht weniger für die Schule als vorher.
Sie übertreiben maßlos und deshalb ist das Klima zu Hause nicht mehr so pralle.

Und zu meinem Freund... auf ihn treffen viele Vorurteile gegenüber Ausländern zu, das muss ich leider zugeben.
Er legt sich gern mit Leuten an, schreit gern laut rum.
Und er ruft nicht immer an, wenn er es versprochen hat. Und ich warte dann. Und warte. Und warte. Und warte.
Und dann ruf ich ihn an. Und er geht nicht ran. Und am nächsten Tag ruft er an und entschuldigt sich total süß dafür, dass er so früh geschlafen hat. Und ich zerschmelze nur wenn ich ein einziges Wort von ihm höre, und wenn es "Nerv doch nicht" wäre.
Ich kann ihm einfach nicht böse sein. Das Feuer der Wut, das entfacht, wenn er sich wieder mal nicht meldet, und sich in meinem Kopf schon die Bilder einer schönen Frau an seiner Seite anbahnen, löst sich einfach in Luft auf, sobald ich seine Stimme höre oder ihn nur ansehe.
Aber warum schreibe ich soviel, wenn das hier doch " Versuch zu fliegen" heißt?
Ganz einfach: Das Alles ist ein Teil davon. Ein Teil meiner Geschichte, meiner Liebe, und die Schwierigkeiten damit, das ist der Versuch.
Ob er klappt, das weiß ich noch nicht. Aber ich werde es herausfinden.
Und dann werde ich meinen Schatz heiraten.
Und dann weiß ich, wie es ist, zu fliegen.

10.10.08 19:42

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